Polizeiliche Todesschüsse 2006

In insgesamt 27 Fällen hat die deutsche Polizei im vergangenen Jahr ihre Schusswaffen gezielt gegen Personen eingesetzt. Sechs Menschen kamen dabei ums Leben; 15 weitere wurden verletzt. In zwei Fällen wertet die (bislang noch unveröffentlichte) offizielle Schusswaffengebrauchsstatistik der Innenministerkonferenz (IMK) den Schusswaffeneinsatz als unzulässig.[1]

In fünf Fällen waren die Beamten unmittelbar mit Waffen angegriffen worden.[2] In einem Fall (Nr. 3) überfuhr der Straftäter auf der Flucht

Polizeiliche Todesschüsse 2006
Fall 1 2 3
Name/Alter Dominique Koumadio, 23 J. Unbek. Mann, 41 J. Unbek. Mann, 30 J.
Datum 14.04.2006 06.05.2006 10.05.2006
Ort/Bundesland Dortmund/NRW Lage/NRW Hanau/Hessen
Szenarium Bei einem Überfall auf einen Kiosk wird der Besitzer mit einem Fleischermesser bedroht. Beim Eintreffen eines Funkstreifenwagens attackiert der Täter das Fahrzeug und greift danach einen der Polizisten an. Nach einem Warnruf gibt der Beamte zwei gezielte Schüsse ab und trifft ihn ins Bein und in den Oberkörper. Der Brusttreffer ist tödlich. Wegen nächtlichen ruhestörenden Lärms wird die Polizei gerufen. Beim Eintreffen der Beamten kommt ihnen im Hof des Hauses ein Mann mit gezogener Pistole entgegen. Daraufhin zieht einer der Beamten ebenfalls seine Waffe und schießt auf den Mann. Er wird tödlich in die Brust getroffen. Nach einem Banküberfall wirft der Täter auf der Straße seine Beute weg und flüchtet mit einem gestohlenen Moped. Er überfährt einen Polizisten, der sich ihm in den Weg stellen will und verletzt ihn schwer. Daraufhin schießt dessen Kollege auf den Flüchtenden. Dieser erleidet einen Lungendurchschuss und stirbt an inneren Verblutungen.
Opfer mit Schusswaffe Nein (Messer) Ja (Schreckschusspistole) Ja
Schusswechsel Nein Nein Nein
Sondereinsatz Nein Nein Nein
Verletzte/getötete
Beamte
Nein Nein Ja
Vorbereitete Polizeiaktion Nein Nein Nein

zuvor einen Polizisten; diesen tödlichen Schuss wertet die IMK-Statistik nicht wie die übrigen als „Notwehr/Nothilfe“, sondern als Versuch der „Fluchtvereitelung“.

Die Zahl der Warnschüsse gibt die IMK mit 57 an; von den 16 Schüssen auf Sachen wurden vier als unzulässig bewertet. Die Statistik weist insgesamt 5.930 Schüsse aus, die PolizistInnen auf gefährliche, kranke oder verletzte Tiere abgegebenen haben. Da Hessen diese Zahlen „erst ab 16.09.06 erfasst“ hat,[3] lässt sich die Gesamtzahl aller im Jahre 2006 von PolizeibeamtInnen abgegeben Schüsse nicht genau beziffern.

(Otto Diederichs)

 

Polizeiliche Todesschüsse 2006
Fall 4 5 6
Name/Alter Unbek. Mann, 28 J. Unbek. Mann, 55 J. Unbek. Mann, 36 J.
Datum 03.08.2006 06.08.2006 01.12.2006
Ort/Bundesland Gersfeld/Hessen Fürth/Hessen Würzburg/Bayern
Szenarium Als Beamte des Mobilen Einsatzkommandos (MEK) gewaltsam in die Wohnung eines wegen bewaffneten Raubüberfalles gesuchten Mannes eindringen, kommt ihnen der Täter sofort mit vorgehaltener Pistole entgegen. Darauf gibt einer der Beamten zwei Schüsse auf den Mann ab und trifft ihn in die Brust. Einer der Schüsse verletzt dabei eine Hauptschlagader. Der Mann verblutet. Wegen ruhestörenden Lärmes an einem Sonntagvormittag wird von Anwohnern die Polizei gerufen. Als die Beamten für Ruhe sorgen wollen, kommt ihnen ein Axt schwingender Mann entgegen. Als er diese trotz Aufforderung nicht weglegt, schießt ein Polizist mehrfach auf den Mann. Neben zwei Streifschüssen wird er in Lunge und Aorta getroffen. Eine Kugel trifft den Axtstiel. Der Mann verstirbt noch am Tatort. Auf einem Parkplatz schlägt ein Mann mit einer Eisenstange auf die Fahrzeuge ein. Zwei Männer, die ihn stoppen wollen, greift er mit einem Hammer an und verletzt sie schwer. Als die alarmierte Polizei eintrifft, holt der Amokläufer gerade erneut aus, um auf ein am Boden liegendes Opfer einzuschlagen. Um ihn zu stoppen, schießt ein Beamter zwei Mal auf den Täter. Der Mann stirbt kurz darauf im Krankenhaus.
Opfer mit
Schusswaffe
Ja Nein (Axt) Nein (Hammer u. Eisenstange)
Schusswechsel Nein Nein Nein
Sondereinsatz Ja Nein Nein
Verletzte/getötete
Beamte
Nein Nein Nein
Vorbereitete
Polizeiaktion
Ja Nein Nein
[1]      noch unveröffentlichte IMK-Statistik 2006; Eingang in der Redaktion am 19.6.2007
[2]     siehe Szenarien der untenstehenden Tabelle
[3]     IMK-Statistik (Fn. 1)