Bundespolizei verstreut Popcorn

Im Projekt „Echtzeitdienste für die Maritime Sicherheit – Securi­ty“ (EMSec) erproben die Bundespolizei und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) neue Techniken der luft- und weltraumgestützten Überwachung. In mehrtägigen Tests kippten die Beteiligten vor Helgoland 50 Kubikmeter Popcorn in die Nordsee und simulierten damit einen Ölteppich.[1] Mithilfe von Satellitendaten sollte dessen Driftrichtung beobachtet und berechnet werden. Das verursachende Schiff wurde dabei über die Positionsdaten der AIS-Transponder (Automatic Identification Signal) geortet. In einem anderen Szenario wurde die Entführung einer Fähre simuliert, die gezwungen wird vom Kurs abzuweichen und auf eine „maritime kritische Infrastruktur“ zuzufahren. Um die Ortung zu erschweren, wurde das Signal des Globalen Navigationssatellitensystems (GNSS) gestört. Ein im EMSec-Projekt entwickelter Demonstrator sollte die GNSS-Störquelle aufspüren und lokalisieren.

Zu den Partnern des Projekts gehören die Rüstungskonzerne Atlas Elektronik und Airbus. Ebenfalls beteiligt sind Wasserschutzpolizeien der Bundesländer und die Universität Rostock. Als Verbundprojekt wird EMSec innerhalb des Programms „Forschung für die Zivile Sicherheit“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung gefördert. Ziel ist die Entwicklung eines „Sensor-Verbunds“ zur Warnung vor Bedrohungen im maritimen Bereich. Hierzu werden alle verfügbaren „schiffsspezifischen Informationen“ abgeglichen. Die Daten stammen unter an­derem von radarbasierten oder optischen Satelliten, die von privaten Konzernen betrieben werden. Auch die über das EU-Satellitenzentrum in Spanien betriebene Mission „Sentinel 1“ wurde genutzt. Schließlich wurden die weltraumgestützten Bilddaten mit „auswählbarer luftgestützter Sensorik“ angereichert. Das DLR ließ hierzu Flugzeuge „im bemannten sowie unbemannten automatischen Flug“ aufsteigen.

Vermutlich wurden die Satellitendaten vom Antennenzentrum des DLR in Neustrelitz (Mecklenburg-Vorpommern) empfangen und verarbeitet. Die Anlage ist ein wichtiger Knoten für die deutschen und europäischen Satellitenmissionen. Das DLR ist unter anderem am EU-Forschungsprojekt OPSSERVE beteiligt, in dem Produkte und Verfahren zur Aktivitäts- und Schiffsdetektion von „höchstaufgelösten optischen Satellitendaten“ entwickelt werden.[2] Diese werden in nahezu Echtzeit der europäischen Agentur für maritime Sicherheit (EMSA) bereitgestellt. In Kooperation mit der Grenzagentur Frontex ist die EMSA für die Überwachung der Meere mithilfe von Drohnen zuständig. Frontex hat das Überwachungssystem EUROSUR entwickelt, das auf Satelliten basiert und beispielsweise Risikoprognosen für möglicherweise verdächtige Schiffsbewegungen erstellt.

(Matthias Monroy)

[1]     Pressemitteilung DLR v. 2.9.2016

[2]     http://elib.dlr.de/100399

Bild: Im Rahmen vom EMSec schüttet die Bundespolizei Popcorn in die Nordsee. (DLR, CC BY 3.0)