Mehr Gesichtserkennung beim BKA

Das Bundeskriminalamt (BKA) weitet seine Fähigkeiten zur biometrischen Gesichtserkennung aus. Hierzu wird das zentrale Gesichtserkennungssystem (GES), mit dem das BKA seit 2008 seine Datenbestände durchsuchen kann, auf seine Leistungsfähigkeit geprüft.[1] Anschließend will das Amt entscheiden, ob ein neues Gesichtserkennungssystem beschafft oder das bestehende 2D-System „ertüchtigt werden muss“. Das GES durchsucht das Informationssystem INPOL-Zentral, wo derzeit über 4 Mio. durchsuchbare Fotos eingestellt sind. Für 2017 meldete das Bundesinnenministerium 26.879 Recherchen (2016: 23.064, 2015: 16.773). Bis 2015 hatte sich das BKA an dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projekt „GES-3D“ beteiligt.[2] Für die Identifizierung von Personen aus Fo­to- und Videodaten wird dabei auch die Ohrenerkennung eingebunden. Die nun angestrebte Untersuchung dürfte den Umstieg auf ein solches 3D-System zum Ziel haben.

2016 hatte das BKA die Software „Examiner“ beschafft, die außer INPOL auch Staatsschutzdateien abfragen kann.[3] Für die verbesserte Ver­arbeitung von Bewegtbildern ist die Einrichtung einer „Video-Aus­wer­­te-Plattform“ (VAP) geplant. Für die dort benötigten Analysewerkzeuge beteiligt sich das BKA an mehreren Forschungsprojekten. In „PER­FORMANCE“ testen verschiedene Polizeibehörden die teil-auto­ma­tisierte Auswertung von Bild- und Videomaterial, das nach polizeilichen Großlagen von ZeugInnen auf ein Portal hochgeladen werden kann. Das BMBF-Projekt „FLO­RI­DA“ soll die Rückverfolgung von Personen oder Objekten in Videoströmen verbessern. Zum gleichen Zweck arbeitet das BKA in dem von der EU-Kommission geförderten Projekt „VICTORIA” mit. Ähnlich wie beim deutschen Projekt soll dabei ein Prototyp zur Rekonstruktion von Tatorten anhand von Videodateien entstehen. Schließlich ist das BKA auch mit der Bundespolizei und der Deutschen Bahn an dem Pilotprojekt „Sicherheitsbahnhof Berlin Südkreuz“ beteiligt. Im Gegensatz zu den übrigen beim BKA vorhandenen oder getesteten Systemen wird am Südkreuz der Echtzeit-Abgleich mit eigens eingerichteten Datenbanken ausprobiert.

[1]   BT-Drs. 19/605 v. 2.2.2018
[2]   www.sifo.de/de/ges-3d-multi-biometrische-gesichtserkennung-2103.html
[3]   BT-Drs. 18/13307 v. 11.8.2017 (Frage 14)

Beitragsbild: GES-3D

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