Bundespolizei zieht unkritisches Fazit

Christan Meyer

Die Bundespolizei hat ihren Abschlussbericht zur biometrischen Gesichtserkennung am Bahnhof Berlin Südkreuz vorgelegt.[1] Von August 2017 bis Juli 2018 führte sie in Kooperation mit der Deutschen Bahn, dem Bundesinnenministerium und dem Bundeskriminalamt einen Feldversuch zu sogenannter intelligenter Videoanalyse durch. Dafür testete sie Software von drei Anbietern: BioSurveillance von der spanischen Firma Herta Security, Morpho Video Investigator von dem französischen Multi IDEMIA und Anyvision von ELBEX aus Regensburg.

Die von den Kameras erfassten Gesichter wurden mit gespeicherten, biometrischen Passbildern von 300 Freiwilligen abgeglichen und meldeten bei wahrscheinlicher Übereinstimmung einen Treffer.

Die Systeme lieferten eine durchschnittliche Trefferquote von 84,9 Prozent, mit einer Falschakzeptanzrate von 0,67 Prozent. Diesen Zahlen liegt der parallele Betrieb aller drei Systeme zugrunde, wobei es genügte, dass eine Software einen Treffer meldete. Einzeln lieferten die Programme bescheidene Trefferquoten zwischen 31,7 und 68,5 Prozent, allerdings auch niedrigere Falschakzeptanzraten. In einer zweiten Testphase wurde auf Bilder zurückgegriffen, die selbst aus der Videoüberwachung stammten. Daraufhin stieg die Trefferquote auf 80 bis maximal 98,1 Prozent, bei einer Falschakzeptanzrate von 0,34 Prozent. Somit scheint das System für übliche Fahndungsbilder geeignet.

Eine Kombination, bei der es genügt, dass lediglich ein Programm einen Treffer meldet, böte sich laut Abschlussbericht bei besonderen Lagen, wie der „Gefahr von Anschlägen und Politisch motivierter Gewaltkriminalität“ an – „unter Inkaufnahme einer anzunehmenden höheren Falschakzeptanzrate“. Im „polizeilichen Alltag“ könnte das System hingegen so eingestellt werden, dass Treffer nur gemeldet werden, wenn zwei Systeme eine Person identifiziert haben.

KritikerInnen monieren, dass der Test keinesfalls ergebnisoffen verlief und es zudem keine Rechtsgrundlage für den bundespolizeilichen Einsatz biometrischer Gesichtserkennung gebe. Letzteres will Bundesinnenminister Horst Seehofer ändern, um eine „breite Einführung“ zu ermöglichen. In einer zweiten Projektphase wird voraussichtlich ab Anfang 2019 Software zur Mustererkennung getestet. Federführend ist dann die Deutsche Bahn. Der Test wird erneut am Berliner Südkreuz stattfinden.

[1] www.bundespolizei.de/Web/DE/04Aktuelles/01Meldungen/2018/10/181011_ab
schlussbericht_gesichtserkennung_down.pdf

Beitragsbild: Paul-Ruben Mundthal

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