Redaktionsmitteilung

In Würzburg tötet am 25. Juni ein junger Somalier drei Frauen und verletzt weitere Personen mit einem Messer. Einen Tag später wird in Wien die Leiche einer 13-Jährigen entdeckt. Zwei afghanische Teenager werden des sexuellen Missbrauchs und Erstickens verdächtigt. In beiden Fällen sind die Umstände unklar. In Österreich spekulieren Polizei und Presse über gemeinsamen Ecstasy-Konsum in der Wohnung eines der Teenager oder ein „Gefügigmachen“ durch Drogen. Die BILD perfektioniert das Bild des unschuldigen Opfers mit der Rede vom Überfall durch mehrere Männer im Park. In Deutschland ist über die Verletzten erst wenig bekannt. Dennoch wissen es Rechte im Netz gleich ganz genau: Gezielt seien Frauen aus islamistischem Frauenhass getötet worden. Unter dem Hashtag #Femizid beklagen sie ein vermeintliches Schweigen der Feminist*innen, deren Thema sie aneigneten, weil der Täter Migrant sei. Auch in Österreich wird über Migrationspolitik diskutiert.

Die Debatten zeigen wie unter einem Brennglas das Minenfeld, das sich an der Schnittstelle von Sex, Crime & Gender auftut. Gewalt ist oft erheblich und durch Herrschaftsverhältnisse gespeist. Gleichzeitig ist der Schutz von Frauen und Kindern vor dem „Schwarzen Mann“ ein konservatives Sujet; und Medien schlachten das Thema „sexcrime“ gerne aus. Feminist*innen skandalisieren zu Recht, dass Öffentlichkeit und Strafverfolgung gegenderte und sexualisierte Gewalt oft erst dann interessiert, wenn Täter*innen diskriminiert oder prominent sind. Doch dies schlägt bisweilen in Strafrechtsfeminismus um. Das Heft entwirrt die verwobenen Machtverhältnisse und thematisiert auch Lösungen jenseits von Polizei und Strafe.

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Die kommende CILIP blickt zurück auf die jüngste Welle neuer Polizeigesetze, die anlässlich der Änderung von BKA-Gesetz und EU-Datenschutz-Grundverordnung zum Mai 2018 entstanden. Wir analysieren Proteste, Veränderungen von Recht und Praxis und fragen nach Alternativen.

Beitragsbild: „Strichplatz Depotweg“ in Zürich (Foto: Niklaus Spoerri, © Stadt Zürich, wir danken für die sehr freundliche Genehmigung zum Abdruck).

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