Veranstaltung von ND und CILIP zu KI-gestützter Videoüberwachung in Berliner Kiezen
An kaum einem anderen Ort in Berlin werden so viele Instrumente polizeilicher Sonderbefugnisse ausgetestet wie am Kottbusser Tor. Der „Kotti“ ist als „kriminalitätsbelasteter Ort“ eingestuft, was der Polizei verdachtsunabhängige Kontrollen erlaubt. 2023 eröffnete hier die „Kotti-Wache“ – eine rund drei Millionen Euro teure permanente Polizeistation über der U-Bahn-Station. Seit August testet die Berliner Polizei dort nun ein neuartiges Videoüberwachungssystem: KI-gestützte Kameras analysieren Bewegungsmuster in Echtzeit und bewerten die gefilmten Personen auf eine vermeintliche Gefährlichkeit. Bis 2030 sind dafür rund 4,6 Millionen Euro veranschlagt. Eine weitere Installation ist für die Warschauer Straße angekündigt, Alexanderplatz, Görlitzer Park und Wrangelkiez könnten folgen.
Der „Kotti“ steht exemplarisch für eine bundesweite Entwicklung. Erst im April 2026 beschloss das Bundeskabinett das „Sicherheitspaket 2.0″, das BKA und Bundespolizei zu automatisierter Datenanalyse und biometrischem Internetabgleich ermächtigt. In einer weiteren „Reform“ soll der Bundestag beschließen, dass BND und Verfassungsschutz erstmals operative Befugnisse erhalten.
Freitag, 16. Oktober, 19 Uhr
aquarium, Skalitzer Straße 6, Berlin
U8 Kottbusser Tor
Was bedeutet es, wenn ein Kiez wie der „Kotti“ oder der „Görli“ zum Testfeld für Überwachungstechnologien wird? Dazu gibt es inzwischen eine interessante Studie der Universität Hamburg und der TU Chemnitz aus einem vergleichbaren Projekt. Was können Anwohner*innen und eine Bürgerrechtsbewegung tun, um sich gegen diese autoritäre Entwicklung zu wehren? Darüber wollen wir mit Expert*innen aus Datenschutz und Polizeirecht und mit Aktiven aus dem Kiez diskutieren.
Penny Prinz aus Berlin forscht zu Überwachung und politischem Protest und ist im Netzwerk „Sicherheit ohne Überwachung“ gegen die geplanten neuen Sicherheitsgesetze aktiv.
Martin Schwarzbeck ist Redakteur bei netzpolitik.org und beschäftigt sich mit den Verschärfungen der Sicherheitsgesetze und KI-gestützten Videoüberwachungssystemen.
Fabian de Hair ist Kriminologe in Hamburg und hat im Forschungsprojekt „LoKI“ die KI-Videoüberwachung am Hamburger Hansaplatz und die dadurch hervorgerufenen sozialen Konflikte untersucht.
Kotti & Co ist eine 2011 entstandene Mietergemeinschaft, die seit der Besetzung des Kottbusser Tors mit einem selbstgebauten Gecekondu-Holzhaus 2012 gegen hohe Mieten, Verdrängung und Rassismus kämpft.
Moderation: Jule Meier, ND.
Das Kottbusser Tor als Versuchslabor einer neuen Sicherheitspolitik weiterlesen