Kolonialrevisionismus nach 1918: Das Südsee-Gedenken der württembergischen Polizei

von Heiko Wegmann

Nach Ende der deutschen Kolonialherrschaft entstand eine kolonialrevisionistische Bewegung, die auch das Gedenken an die Kolonialpolizei pflegte. „Traditionskompanien“ entstanden, die sich einer be­stimmten Kolonie widmeten, hier der „Südsee“. Im Nationalsozialismus war diese Traditionspflege Ausgangspunkt für den Aufbau einer NS-Kolonialpolizei. Eine Gedenktafel für die Südsee-Kolonialpolizei überdauerte den Zweiten Weltkrieg.[1]

Im Jahr 1926 übernahm der aus dem Königreich Württemberg hervorgegangene demokratische „Volksstaat Württemberg“ die „Traditionswahrung“ der Polizeieinheiten der ehemaligen deutschen Südseekolonien. Mit der Umsetzung wurde eine Einheit der Bereitschaftspolizei betraut und damit zur „Traditionskompanie“ gemacht. Sie war auch nach 1933 ein bemerkenswerter Teil der kolonialrevisionistischen Bewegung.

Die Errichtung von Traditionskompanien gab es zunächst ab 1922 in der Reichswehr. Auf Anordnung des Reichswehrministers sollte das Gedenken an die „Schutztruppen“ in Kamerun, Deutsch-Südwest- und Ostafrika gepflegt werden. Ab Mitte der 20er Jahre strebten auch ehemalige Kolonialpolizisten die Einrichtung solcher Traditionskompanien an. Bis 1934 wurde die Tradition aller ehemaligen kolonialen Polizeien von deutschen Einzelstaaten bzw. Landespolizeien gepflegt: Bayern hatte in München Togo übernommen, Württemberg in Stuttgart die deutsche Südsee, Bremen Deutsch-Südwestafrika sowie Hamburg das „Pachtgebiet“ Kiautschou. Preußen übernahm zwei Gebiete, nämlich Kamerun (2. Hundertschaft der Landespolizeigruppe in Kiel) und Deutsch-Ostafrika (1. Hundertschaft bzw. Kompanie der Landespolizeigruppe „General Göring“ in Berlin).

Polizei- und Gewaltgeschichte der „deutschen Südsee“

Die formelle Inbesitznahme von „Südsee-Kolonien“ durch das Deutsche Reich erfolgte schrittweise ab 1884. Sie umfassten schließlich Deutsch-Neuguinea mit dem Bismarck-Archipel, Mikronesien, den Marianen- und Marschall-Inseln, Nauru sowie West-Samoa. Doch schon Jahre zuvor begann eine informelle Inbesitznahme durch deutsche Handels- und Plantagenfirmen, die teilweise durch deutsches Militär abgesichert wurde. Der Historiker Alexander Krug schätzt die Zahl sogenannter „Strafexpeditionen“ durch Kriegsmarine und Polizeitruppen im Zeitraum von 1872 bis 1914 auf 300.[2] Auch durch private Akteure wie die „Neu Guinea Kompagnie“ kam es zu Gewaltexzessen. Das größte kriegerische Ereignis war die Niederschlagung eines Aufstands in Ponape (als Pohnpei heute die Hauptinsel von Mikronesien) mit vier Kriegsschiffen, 754 Mann Besatzung und 52 Geschützen sowie rund 200 melanesischen „Polizeisoldaten“. Die dabei verübten Gewaltakte richteten sich nicht nur gegen die schlecht bewaffneten aufständischen Sokehs, sondern auch auf die systematische Zerstörung ihrer Lebensgrundlagen. Es folgte die Deportation der Sokehs auf andere Inseln. Dies sollte von weiteren Aufständen abschrecken.[3]

Die Angehörigen der Polizeitruppe stammten zum größten Teil aus Neuguinea beziehungsweise dem Bismarck-Archipel. Krug weist darauf hin, dass die Polizeisoldaten für ihre äußerste Brutalität berüchtigt waren, auch wegen sexualisierter Gewalt. „Der Einsatz der Truppe war stets kalkuliert, sei es zur Unterdrückung von Unruhen, der Verfolgung von Straftätern, der Terrorisierung ganzer Landstriche oder der Verwendung als Kanonenfutter wie auf Ponape. Die Exzesse der Söldner wurden von der Verwaltung nicht nur billigend in Kauf genommen, sie wurden vorsätzlich einkalkuliert.“[4] Dieses Vorgehen habe geholfen, eigene Kräfte zu schonen und lokale Feindschaften weiter zu befeuern.

Die Gründung der Traditionskompanie

Warum übernahm der demokratische Volksstaat Württemberg bereitwillig die Pflege kolonialer Traditionen der Kaiserzeit? Dies wurde sicher durch direkte personelle Bezüge der Führungsebene der Landespolizei zur früheren Kolonialherrschaft gefördert. Die entscheidende Verbindung dürfte dabei die Kameradschaft zwischen Karl von Klewitz und Georg Freiherr Seutter von Lötzen gewesen sein. Beide waren 1905 im Krieg gegen die Herero und Nama in Deutsch-Südwestafrika an einem existenziellen Kampf um eine Wasserstelle in der Wüste beteiligt. Klewitz wurde 1914 in die Südsee versetzt und erhielt im Ersten Weltkrieg den aussichtslosen Auftrag, Deutsch-Neuguinea gegen das australische Pazifikgeschwader zu halten. Er wurde zum Kommandeur der sogenannten „Bewaffneten Macht“ ernannt, die die Funktion der in anderen Kolonien eingesetzten militärischen „Schutztruppen“ erfüllen sollte. Kern der „Bewaffneten Macht“ war die „Expeditionsabteilung“ der mehrheitlich aus Nicht-Weißen bestehenden Landespolizei. Schon am 21. September 1914 musste sich Klewitz jedoch geschlagen geben. Seutter von Lötzen wurde nach dem Krieg Kommandeur der für die Traditionskompanie maßgeblichen Schutzpolizeibereitschaft Stuttgart.[5]

Die Gründung der Traditionskompanie 1926 war eingebettet in kolonialpolitische Bestrebungen in Württemberg und im gesamten Reich. Sie wurde finanziell unterstützt vom damaligen Leiter der Abteilung für kolonialpolitische Angelegenheiten im Auswärtigen Amt (AA) Edmund Brückner. Dieser war aber aus außenpolitischen Gründen zugleich sehr darauf bedacht, dass das Amt nicht öffentlich in Erscheinung trat. Vermittelnd tätig war Eduard Haber, der als geschäftsführender Gouverneur von Deutsch-Neuguinea Klewitz zum Kommandanten der „Bewaffneten Macht“ ernannt hatte. Zur offiziellen Feier zur Traditionsübergabe am 7. September 1926 in Stuttgart schickte das AA den in der Kolonialabteilung tätigen Major a. D. Hermann Detzner. Dieser hatte sich in Neuguinea bis Kriegsende versteckt und schlachtete sein vermeintliches Heldentum erfolgreich als Autor und Redner aus. Dies tat er auch bei einer Kolonial-Ge­denk­feier anlässlich des 25-jährigen Bestehens des Kolonialkriegervereins Stuttgart am Vorabend der Traditionsübergabe an die württembergische Polizei.

Zielgruppen, Mittel und Wege der Traditionspflege

Die Traditionspflege hatte mehrere Zielgruppen. Der engere Kreis betraf zunächst die Angehörigen der Bereitschaftspolizei im Bezirk 2 (Stuttgart): „Die Feier der Traditionsübernahme war geeignet, in jedem Wachtmeister des Bezirkes Liebe und Sinn für die Tradition der Landespolizei der Südsee, deren Träger er nun war, zu wecken. Es handelte sich darum, diese Anfangsbegeisterung wach zu halten, bzw. immer wieder zu wecken, bis die Tradition fest in ihm ruhte und als Bestandteil seines Ideenkreises nun wieder auf Andere ausstrahlte.“[6] Vom eigenen Bezirk ausgehend sollte im zweiten Schritt auch die gesamte württembergische Schutzpolizei den kolonialen Gedanken in sich aufnehmen. Als Vorbild diente Bayern, wo die Kolonialtradition für Togo bereits gepflegt wurde.

Um diese Ziele zu erreichen, wurden ein „Kolonialheim“ und eine Bücherei in der Stuttgarter Polizeikaserne eingerichtet, den Polizisten Traditionsunterricht erteilt, Vorträge und Feste organisiert und eng mit den örtlichen kolonialen Vereinen und Verbänden zusammengearbeitet. Das Kolonialheim bestand aus einem mit Südsee-Bildern und Objekten ausgeschmückten Versammlungsraum und Flur. Vereine der kolonialrevisionistischen Bewegung nutzten das Heim für ihre Treffen, und der zuständige Polizeihauptmann Eberbach pflegte intensive Kontakte zu „Südsee-Deutschen“. Den Vereinen sollte durch die jungen Polizeibeamten neue Stoßkraft verliehen werden. Sogar die Bildung von „kolonialen Jugendgruppen“ gehörte zu seinen Plänen.[7] Tatsächlich gründete der Kolonialkriegerverein am 18. April 1928 eine Jugendabteilung, die sich fortan im Kolonialheim der Polizei traf.[8]

In seinem Bericht legte Eberbach noch eine Reihe konkreter Vorschläge vor, wie die Traditionspflege auszuweiten sei. Dazu gehörte, an jedem Landespolizei-Standort einen Offizier zu bestimmen, der (wie er selbst) der dortige Träger des kolonialen Gedankens sein solle. Besonders wertvoll erschien Eberbach die Beschaffung einer Anzahl Kolonialfilme, insbesondere eines Neu-Guinea-Films. Er regte die Beschaffung kolonialer Theaterstücke und Uniformen für gesellige Veranstaltungen an. Schließlich sollte die Polizei-Kompanie Ärmelstreifen mit der Silberstickerei „Neu-Guinea“ für die Uniform erhalten, um „den Gedanken an die Kolonie in Schutzpolizei und Volk wach zu halten“.[9]

Die Südsee-Gedenktafel

Weiteren Schwung bekamen diese Bemühungen, als 1928 eine große Kolonialtagung in Stuttgart stattfand. Dabei war auch die Einweihung eines Gedenksteins für die in der Südsee Gestorbenen vorgesehen. Dies war eine Besonderheit, denn ansonsten bezog sich das koloniale Gedenken vor allem auf die afrikanischen Kolonien oder die Niederschlagung des chinesischen „Boxer-Aufstands“. Einem eigens errichteten Denkmalausschuss gehörten neben diversen Polizeikommandeuren auch Geschäftsleute und ehemalige Kolonialbeamte an. Am 3. Juni 1928 wurde schließlich eine Gedenktafel im Innenhof des neuen Schlosses im Rahmen einer großen öffentlichen Kolonialkundgebung enthüllt. Sie fand im Rahmen der genannten Stuttgarter Kolonialtagung vom 31. Mai bis 4. Juni statt. Die Tagung wurde von der Deutschen Kolonialgesellschaft und einem breiten lokalen Bündnis organisiert. In diesem Zusammenhang wurde auch vom 2. Juni bis 5. August die „Kolonialausstellung Stuttgart 1928“ gezeigt. Die Inschrift der Gedenktafel lautet: „1885 1918 – Zur Erinnerung an alle die in der Südsee für Ehre und Ruhm des deutschen Vaterlandes ihr Leben liessen. Den Toten zum Gedächtnis – Den Lebenden zur Mahnung“. Mit „alle“ waren ausdrücklich nur Deutsche, nicht etwa einheimische Söldner und Polizeidiener gemeint. Die Gedenktafel wurde noch am 3. Juni bei einer weiteren Feier an der Polizei-Kaserne angebracht.

Wirken der Traditionskompanie nach 1933

Die „Rückgabe“ der im Ersten Weltkrieg verloren gegangenen Kolonien war ein wichtiges Ziel der politischen Kräfte in der Weimarer Republik, die die Rückabwicklung des „Schandvertrages von Versailles“ forderten. Sie war auch Bestandteil der NS-Programmatik. Die Traditionskompanie wirkte bis mindestens 1941 weiter fort. Der Umfang ihrer diesbezüglichen Tätigkeiten lässt sich bislang aber nicht komplett nachvollziehen.

Die Kolonialbewegung war in den Jahren nach der Machtergreifung der NSDAP verschiedenen Wandlungen unterworfen. Die „Gleichschaltung“ der verschiedenen Verbände vollzog sich zunächst langsam. Im Mai 1936 löste sich dann aber der führende Verband, die Deutsche Kolonialgesellschaft, auf. Deren Mitglieder, wie auch die der meisten anderen großen Verbände, sollten in den NS-kontrollierten, straffer organisierten Reichskolonialbund eintreten. Anders als die Kolonialverbände zuvor, die sich vor allem aus der gesellschaftlichen Elite rekrutiert hatten, wurde der Reichkolonialbund eine Massenorganisation. Am Ende des Jahres 1941 kam er auf über zwei Millionen Mitglieder.[10] Hierbei half auch das württembergische Innenministerium, das alle Beamten zum Beitritt aufforderte und sich über eingetretene Polizeibeamte berichten ließ.[11] Als Ergebnis der Zusammenarbeit mit der Kolonialbewegung bildete sich innerhalb des Kreisverbandes Stuttgart des Reichskolonialbunds sogar ein eigener „Ortsverband Stuttgart-Polizei“. Auch sollte die kolonialpolitische Schulung innerhalb der Polizei intensiviert werden, wie das Innenministerium unter Bezugnahme auf Runderlasse des Reichsführers-SS und Chef der deutschen Polizei, Heinrich Himmler, anordnete.

Es lassen sich darüber hinaus noch weitere Belege für ein Zusammenwirken von Polizei und der (NS-)Kolonialbewegung in Stuttgart finden. Jahreshauptversammlungen des „Kolonialkriegervereins“ (später umbenannt in „Kolonialkriegerkameradschaft“) fanden im Kolonialheim statt. Zumindest bis 1942 konnte der Reichskolonialbund Schießübungen auf dem Schießstand der Traditionskompanie nutzen. Die Stuttgarter Traditionskompanie war auch reichsweit bei Kundgebungen des Reichskolonialbundes aktiv. 1939 wurde der Stuttgarter Polizeipräsident Generalmajor Karl Schweinle in den „Kolonialen Beirat“ des Gauverbandes Württemberg-Hohenzollern des Reichskolonialbundes berufen. In dieses Gremium wurden führende Personen aus der NSDAP, ihren Massenorganisationen, der staatlichen Verwaltung und Wirtschaft geholt. In Stuttgart gehörten ihm auch weitere SS- und Polizeiführer an. Die Tätigkeit dieses Gremiums ließ sich bislang nicht rekonstruieren und damit auch nicht die Rolle Schweinles in ihm. Insofern muss zunächst von einer eher symbolischen Bedeutung ausgegangen werden.

Aufbau einer NS-Kolonialpolizei

Während der NS-Herrschaft wurden Planungen für ein neues deutsches Kolonialreich in Afrika vorangetrieben. Sie hatten nachgeordnete Priorität, zogen sich aber doch bis weit in den Zweiten Weltkrieg hinein. Das Infanterie-Regiment 69 der Wehrmacht in Hamburg sollte zum Kern einer neuen „Schutztruppe“ werden. Parallel dazu wurde auch an einer neuen Kolonialpolizei gearbeitet. Zunächst bemühte man sich, ein Bild der aktuellen Verhältnisse in den (ehemaligen) Kolonien und auch über die „polizeilichen Zustände“ dort zu machen.[12] Dies gelang jedoch kaum.

Dennoch wurden die Bemühungen zum Aufbau einer neuen Kolonialpolizei ab 1936 verstärkt. Ein Entwurf eines Polizeiverwaltungsgesetzes sollte vorbereitet und auch schon mit der Personalplanung begonnen werden. Ab 1938 wurden Kolonial-Sonderkurse für Polizeibeamte abgehalten, die Unterricht in afrikanischen Sprachen, Kartografieren, Kolonialrecht, Tropenhygiene und anderen Fächern beinhalteten. Auf einen Aufruf des Chefs der deutschen Polizei Anfang 1939 meldeten sich reichsweit 380 Offiziere und 2.000 Wachtmeister als Freiwillige für eine zukünftige Kolonialpolizeitruppe.[13] Dies kann zum einen als ein Ergebnis der bisherigen „Traditionswahrung“ und der Zusammenarbeit mit der Kolonialbewegung gewertet werden. Zum anderen waren sicher auch die Aussicht, zu einer Elite der Polizei zu gehören, „Abenteuer“ zu erleben und höhere Auslandsbesoldung zu erhalten, Motive für die Freiwilligen. Die Aspiranten hatten einerseits ihre körperliche Eignung für den Kolonialdienst nachzuweisen. Andererseits wurde auch eine besondere Charakterfestigkeit gefordert, um sich den schädlichen Einflüssen einer „rassefremden Lebensgemeinschaft“ entziehen zu können, wie es im NS-Jargon hieß.

In einem Kommando-Tagesbefehl der Schutzpolizei Stuttgart vom 24. Juli 1940 findet sich die Ankündigung, dass bald mit der polizeiärztlichen Untersuchung der Freiwilligen begonnen werde. Ende 1940 fanden Schulungen für die als kolonialdiensttauglich befundenen Meister und Wachtmeister statt. Nach der Einrichtung des Kolonialpolizeiamts im Hauptamt Ordnungspolizei des Reichssicherheitshauptamtes wurden elf Polizeibeamte der Stuttgarter Schutzpolizei zu mehrmonatigen speziellen Koloniallehrgängen an die neu errichteten Kolonialpolizei-Schulen Oranienburg und Wien abgeordnet. Bis März 1943 gab es weitere Abordnungen von je vier bis sechs Beamten. Danach wurden diese Schulungen angesichts des Kriegsverlaufs offenbar eingestellt bzw. auf Kurse für „Auslandsverwendung“ umgestellt.

Inhaltlich war die „Aufstandsbekämpfung“ ein wesentlicher Bestandteil der Schulungen. Eine Reihe von Lehrgangsteilnehmern bildete später den Kern des III. Bataillons des SS-Polizeiregiments 5, das in Serbien eingesetzt wurde.[14] Ob Serbien hierbei als eine Art koloniales Terrain betrachtet wurde, ist in der Forschung noch offen. Wichtig für die Ausbildung der deutschen Kolonialpolizei war auch die Zusammenarbeit mit Italien. In Tivoli bei Rom betrieb Italien eine Kolonialpolizeischule für den Einsatz in der Kolonie Libyen. Auch hier waren die „Rasse-Beziehungen“ und die „Aufstandsbekämpfung“ zentrale Lehrinhalte. 150 deutsche Teilnehmer wurden zwischen 1940 und 1943 zu Lehrgängen nach Tivoli geschickt. Welche Stuttgarter Polizisten darunter waren, ist nicht bekannt.

Die „Südsee-Gedenktafel“ nach 1945

Wann die Traditionskompanie offiziell abgewickelt wurde – Anfang 1943 oder erst nach dem Zweiten Weltkrieg – ist nicht bekannt. Jedenfalls überdauerte die Südsee-Gedenktafel an der Stuttgarter Moltkekaserne. Nach deren Abriss 1967 ließ der Bundeswehr-Standortälteste Oberstleutnant Kroll die Tafel aus dem Schutt bergen. Anschließen ließ er sie am Gebäude der Standortkommandantur in der Rommelstr. 4 in Stuttgart-Bad Cannstatt wiedererrichten. An der Einweihung nahmen auch Mitglieder des „Traditionsverbandes der ehemaligen Schutz- und Überseetruppen“ mit Kolonialfahnen teil. Eingebunden war die Zeremonie in ein gemeinsames Treffen mit dem Veteranenverband des Deutschen Afrika-Corps, dem dort ebenfalls eine Gedenktafel gewidmet war. Hier wurde deutlich, dass die Tafel nicht allein für die in der Südsee gestorbenen Deutschen stehen sollte, sondern für das deutsche Kolonialmilitär und letztlich für den deutschen Kolonialismus im Allgemeinen. Mittlerweile befindet sich die Gedenktafel im Garnisonmuseum Ludwigsburg.

[1]    Dieser Beitrag ist eine stark gekürzte Fassung von Wegmann, H.: Die Stuttgarter Südsee-Gedenktafel und die „Traditionskompanie“. Württembergische Polizei, Kolonialbewegung und ein wandernder Erinnerungsort, in: Zeitschrift für Württembergische Landesgeschichte 2022, H. 1, S. 309-349.
[2]    Krug, A.: „Hauptzweck ist die Tötung von Kanaken“. Die deutschen Strafexpeditionen in den Kolonien der Südsee 1872-1914, Tönning u.a. 2005, S. 376f.
[3]    Morlang, T.: Rebellion in der Südsee. Der Aufstand auf Ponape gegen die deutschen Kolonialherren 1910/11, Berlin 2010, S. 9
[4]    Krug a.a.O. (Fn. 2), S. 379f.
[5]    Wilhelm, F.: Die württembergische Polizei im Dritten Reich, Stuttgart 1989, S. 295
[6]    Polizeihauptmann [Heinrich] Eberbach: Bericht über die bisherigen Massnahmen zur Wahrung der dem Bezirk 2 übertragenen Südsee-Tradition und Vorschläge für Ausbau und Vertiefung der Arbeit, Stuttgart 27.6.1927, Bundesarchiv Berlin R 1001/2669, Bl. 151
[7]    ebd., Bl. 153
[8]    S. Zeitschrift Jambo, Heft 5/ Mai 1928, Anhang „Aus der Bewegung“. Zu Jugendgruppen im Südwesten s. auch Wegmann, H.: Vom Kolonialkrieg in Deutsch-Ostafrika zur Kolonialbewegung in Freiburg. Der Offizier und badische Veteranenführer Max Knecht (1874-1954), Freiburg i.Br. 2019, S. 427ff.
[9]    Polizeihauptmann Eberbach a.a.O. (Fn. 6)
[10] Leistungsbericht der Bundesführung für das Jahr 1941, in: Der koloniale Kampf. Nachrichtenblatt der Bundesführung des Reichskolonialbundes (Berlin), Nr. 7 / Juli 1942, S. 10
[11] Minister des Innern, Stuttgart, 9.10.1937. Stadtarchiv Stuttgart 917 Nr. 1630 Plieningen. Num.: 1630. Kolonialdienst Polizeibeamte
[12] Der Preußische Ministerpräsident / Landespolizei an das AA, Berlin, 20.9.1934, Bundesarchiv Berlin R 1001/7171, Bl. 3
[13] Linne, K.: Deutschland jenseits des Äquators? NS-Kolonialplanungen für Afrika, Berlin 2008, S. 53
[14] Klemp, S.: Die Oranienburger Polizeieinheiten von 1936 bis 1945. Stand der Forschung, in: Oranienburger Schriften, Beiträge aus der Fachhochschule der Polizei des Landes Brandenburg 2015, H. 1, S. 86-97 (92f.)

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