Polizeischüsse:
4. August: In Neu Wulmstorf erschossen zwei Polizisten einen Pitbull, nachdem sich das Tier in der Hand eines dritten Beamten verbissen hatte. Die Polizei war wegen einer Körperverletzung zu dem Haus gerufen worden. Der Hund sei aus der offenen Tür gelaufen und habe zugebissen.
20. August: Die Polizei in Ismaning hat bei einer Verkehrskontrolle mehrere Schüsse auf einen Mann abgegeben, der zuvor nach Polizeiangaben einen Beamten angefahren habe. Wer von den beiden anwesenden Beamten schoss, ist noch nicht geklärt und wird ermittelt. Durch die Schüsse wurde niemand verletzt, der Beamte erlitt jedoch Verletzungen durch den Zusammenstoß. Der 58-jährige Fahrer flüchtete anschließend erneut und wurde nach einer Großfahndung mit Hubschrauber und Diensthund festgenommen. Laut Polizei befand sich der Mann in einem psychischen Ausnahmezustand.
20. August: Bei einer Verkehrskontrolle schoss die Polizei in Braunschweig zweimal auf einen VW Golf. Nachdem der Fahrer trotz mehrfacher Ansprache, Schlagstockeinsatz und wiederholter Androhung der Schusswaffe erneut beschleunigt und dabei einen vor dem Fahrzeug stehenden Beamten angefahren und verletzt habe, sei die Schussabgabe erfolgt. Der Fahrer wurde kurz darauf auf einem nahegelegenen Parkplatz festgenommen.
Ermittlungen gegen Polizist*innen:
4. August: Das LG Stuttgart hat im Prozess um ein jahrelanges Datenleck bei der Staatsanwaltschaft mehrjährige Haftstrafen für drei Hauptangeklagte aus dem Sicherheitsgewerbe sowie eine Bewährungsstrafe für eine ehemalige Justizangestellte und eine Geldstrafe für einen Kurier verhängt. Zwischen 2022 und 2025 hatten zwei frühere Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft gegen Geld und Schmuck geringen Werts interne Ermittlungsdaten aus dem System „web.sta“ weitergegeben. Der Fall wird zudem mit einem versuchten Mord in Tamm in Verbindung gebracht, bei dem die mutmaßlichen Auftraggeber möglicherweise mit Justizinformationen versorgt wurden. Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig.
6. August: Zwei Berliner Polizeibeamte sowie ein mutmaßlicher Komplize sitzen wegen des Verdachts des schweren Raubes in Untersuchungshaft. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Cottbus sollen sie Mitte Juli in Peitz (Landkreis Spree-Neiße) bewaffnet in eine Wohnung eingedrungen sein und Bargeld erbeutet haben. Nach einer Großfahndung wurden die Verdächtigen anhand eines automatischen Kennzeichenerfassungssystems nahe Königs Wusterhausen festgenommen. Den Beschuldigten drohen bei einer Verurteilung mehrjährige Freiheitsstrafen sowie beamtenrechtliche Konsequenzen bis hin zum Verlust ihres Beamtenstatus.
17. August: Die Staatsanwaltschaft Frankfurt hat die Ermittlungen gegen mehrere Polizeibeamt*innen eingestellt, die am 29. März 2025 im Bahnhofsviertel einen Studenten und seinen Begleiter Karim Kurtovic körperlich angegriffen haben sollen. Stattdessen muss der Student nun wegen Widerstands vor Gericht. Die Beamt*innen hatten den jungen Mann mit Schmerzgriffen zu Boden gebracht und Kurtovic mit der Faust ins Gesicht geschlagen, nachdem die beiden als Zeugen eines rüden Polizeieinsatzes einschreiten wollten. Die Staatsanwaltschaft bewertete das Vorgehen der Polizei als „gerechtfertigt“, obwohl Bodycam-Aufnahmen existieren, die nach Angaben der Betroffenen und ihrer Anwältin zentrale Szenen nicht zeigen. Kurtovic, dessen Bruder 2020 beim rassistischen Anschlag von Hanau ermordet wurde, erlitt eine Kieferprellung und ein Schleudertrauma, sein Freund Prellungen und ein Trauma. Kurtovic hat Beschwerde gegen die Einstellung eingelegt.
20. August: In der Bremer JVA Oslebshausen wurde erneut ein Bestechungsfall aufgedeckt, bei dem diesmal sechs Bedienstete im Verdacht stehen, gemeinsam mit zehn Häftlingen Drogen, Lebensmittel und Kommunikationsgeräte eingeschmuggelt und verteilt zu haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen insgesamt 23 Verdächtige wegen Bestechung, Bestechlichkeit und Drogenhandels. Die beschuldigten Bediensteten wurden vorläufig vom Dienst freigestellt.
21. August: Die Staatsanwaltschaft Dresden hat die Ermittlungen gegen einen 36-jährigen Polizisten eingestellt, der bei einer Demonstration gegen den AfD-Bundesparteitag in Riesa seinen Diensthund gegen eine Demonstrantin gedrückt hatte. Nach Einholung eines Gutachtens kam sie zu dem Schluss, dass die Frau mehrfach rechtmäßige Anweisungen missachtet habe und der Einsatz des Hundes zur Durchsetzung der Polizeilinie gerechtfertigt gewesen sei. Ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz liege ebenfalls nicht vor. Der Vorfall hatte zuvor in sozialen Medien und unter Polizeihundeführern für Kritik gesorgt.
24. August: Die Berliner Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Strafvereitelung im Amt gegen einen Polizeihauptkommissar: Er hatte in mit seinem Privatwagen ein Stoppschild überfahren und dabei einen Radfahrer zu Fall gebracht, der sich Ellenbogen und Handgelenk brach. Benachbarte Kollegen protokollierten jedoch einen „Alleinunfall“ und vertuschten damit die Beteiligung des Beamten. Erst als die Versicherung des Opfers nicht zahlte, flog der Fall auf. Der Polizeibeauftragte Alexander Oerke wirft der Polizei vor, gezielt eigenes Fehlverhalten verschleiert zu haben. Die Originalakte ist verschwunden.
Tod durch Polizeischüsse:
5. August: Nach Polizeischüssen auf einen 66-Jährigen in Guxhagen (Schwalm-Eder-Kreis) Anfang Juli ist der Mann am 20. Juli in einer Kasseler Klinik gestorben. Der Vorfall ereignete sich am 2. Juli im Zusammenhang mit Ermittlungen wegen einer mutmaßlichen Trunkenheitsfahrt: Nachdem ein Zeuge ein auffällig fahrendes Fahrzeug gemeldet hatte und der Fahrer identifiziert worden war, suchten Polizisten dessen Wohnanschrift auf. Dort soll der Mann die Beamten mit einer mutmaßlichen Schreckschusswaffe bedroht haben. Zur Überprüfung des Einsatzes ermittelt das hessische Landeskriminalamt; nach dem Tod des Mannes wurde eine Obduktion angeordnet, deren Ergebnis noch aussteht.
11. August: Polizist*innen haben in Bielefeld einen Mann erschossen, der zuvor mit einer Langwaffe auf sie zugegangen sein soll. Zuvor hatte seine Freundin die Polizei gerufen, weil er sie in der gemeinsamen Wohnung eingesperrt und eine Waffe bei sich gehabt haben soll. Als der Mann die Wohnung verließ und sich der Polizei mit der Waffe näherte, gaben die Beamten mehrere Schüsse ab und trafen ihn tödlich. Die Ermittlungen zu dem Vorfall führt die Polizeibehörde Münster.
Polizei und Pressefreiheit:
12. August: Das Landgericht München hat die Klage des Bundespolizisten und DPolG-Gewerkschafters Manuel Ostermann gegen Jan Böhmermann abgewiesen: Zwei Aussagen aus einer „ZDF Magazin Royale“-Folge vom März 2025 über das Aufnahmeprogramm für gefährdete Afghanen und die Rolle der Bundespolizei verletzten Ostermanns Persönlichkeitsrechte nicht, da Böhmermann laut Urteil keine Tatsachen behauptet, sondern seine Meinung geäußert habe.
Verletzung durch Polizeischüsse:
7. August: Bei einem Polizeieinsatz in Weinheim (Rhein-Neckar-Kreis) ist ein 41-jähriger Mann durch Polizeischüsse schwer verletzt worden. Zuvor hatte seine 39-jährige Ehefrau die Polizei wegen einer Bedrohung gerufen. Der Mann soll die Einsatzkräfte mit einem Spaten bedroht haben. Nach dem Einsatz von Pfefferspray habe der Mann die Polizisten angegriffen. Daraufhin schoss ein Beamter auf den 41-Jährigen, der unter anderem im Brust- und Bauchbereich getroffen wurde. Er wurde lebensgefährlich verletzt ins Krankenhaus gebracht.
18. August: Im Münchner Stadtteil Schwabing schoss die Polizei auf einen 14-Jährigen und verletzte ihn schwer. Er soll mit einer Softair-Waffe hantiert haben, woraufhin eine Zeugin die Polizei rief. Als Zivilbeamte den Jugendlichen ansprachen habe er sich mit der Waffe in der Hand umgedreht. Daraufhin habe ein Beamter geschossen.
Waffenprobleme:
21. August: Bei der Frankfurter Polizei war seit dem 24. Juli die Dienstwaffe eines Beamten vom 4. Revier verschwunden. Er hatte die Pistole des Herstellers Heckler & Koch in einem nur für Dienstkräfte zugänglichen Raum liegen lassen, bei seiner Rückkehr war sie nicht mehr auffindbar. Laut Vorschriften müssen Dienstwaffen ständig mitgeführt oder verschlossen aufbewahrt werden. Später wurde sie in einer polizeilichen Liegenschaft gefunden.
Anklage gegen Polizist*innen:
24. August: Die Staatsanwaltschaft Erfurt hat gegen drei Vorstandsmitglieder der Gewerkschaft der Polizei (GdP) Thüringen Anklage beim Landgericht Erfurt erhoben. Ihnen wird vorgeworfen, die Einnahmen des Landesverbands gegenüber dem GdP-Bundesverband geringer dargestellt zu haben, um niedrigere Beiträge zahlen zu müssen. Ein ehemaliges Vorstandsmitglied soll sich zudem wegen Betrugs und Untreue verantworten. Das Landgericht Erfurt muss nun über die Zulassung der Anklage entscheiden.
Einsatz von Taser:
25. August: Bei der Festnahme eines 17-jährigen als Drogendealer Verdächtigten am Kieler Hauptbahnhof setzte die Polizei einen Taser ein. Es war erst der zweite Taser-Schuss der Kieler Polizei seit Einführung der Geräte: Der erste Einsatz hatte 2025 nach einer gefährlichen Körperverletzung stattgefunden.
Urteile gegen Polizist*innen:
25. August: Das Landgericht Dresden hat den Polizeischusswaffeneinsatz gegen einen 31-Jährigen aus dem Raum Großenhain als rechtmäßig eingestuft und ihn am Montag zu fünf Jahren und vier Monaten Haft verurteilt, unter anderem wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamt*innen. Der Mann hatte sich Anfang des Jahres nach einer als Suizidankündigung verstandenen Nachricht in einem Dachzimmer verschanzt. Nach gewaltsamem Öffnen der Tür bedrohte er die Beamt*innen laut Anklage mit Reizgas, woraufhin diese drei Schüsse abgaben und ihn an Lunge und Handgelenk verletzten.
28. August: Das OVG Münster hat entschieden, dass die Polizei NRW einen Bewerber wegen einer Tätowierung mit zwei Patronen und der Aufschrift „trust no one“ ablehnen durfte – auch nachdem er das Motiv hatte überstechen lassen. Das Gericht bestätigte damit eine Entscheidung des VG Köln und sah begründete Zweifel an der charakterlichen Eignung des Mannes, da das geäußerte generelle Misstrauen gegenüber Menschen der für den Polizeiberuf essenziellen Vertrauensbasis widerspreche und auf mangelnde Bereitschaft zu gewaltfreier Konfliktlösung hindeute. Der Beschluss ist nicht anfechtbar.