Unisys Corp. – Eine Spinne im Netz informatisierter „Sicherheit“

von Eric Töpfer

Ehemals viertgrößter Rüstungskonzern der USA, hat sich die Unisys Corporation inzwischen weltweit als einer der führenden Anbieter von Technologien für die „Homeland Security“ etabliert. Ihre Geschäfte und Politik sind exemplarisch für die geballte Macht des sicherheitsindustriellen Komplexes.

Beschäftigt man sich mit den technischen Großprojekten der europäischen Polizei- und Justizzusammenarbeit, reibt man sich verwundert die Augen. Ob es um die Programmierung der Prüm-CODIS-Schnittstelle für den Abgleich der nationalen DNA-Datenbanken und ihren Draht über den Atlantik geht, um das Upgrade des Schengener Informationssystems zum SIS II und dessen „Synergien“ mit dem Visa-Informationssystem, um die Entwicklung von Europols Informationssystem oder die Vernetzung der Kraftfahrzeugregister im Rahmen von EUCARIS, um die Standardisierung des Datenaustausches zwischen den nationalen Strafregistern oder um eine Vorstudie für das Critical Infrastructure Warning Network der EU[1] – ein Name ist immer dabei: Unisys.

„Unsere Produkte und Dienstleistungen betreffen nahezu jede Behörde – ob im Verteidigungs- oder im zivilen Sektor. … Wir managen Datenzentren, modernisieren kritische Anwendungen und unterstützen die Endnutzer von einigen der größten öffentlichen und privaten Einrichtungen der Welt – zuverlässig und sicher.“ So prahlt das Unternehmen mit Sitz in Blue Bell im US-Bundesstaat Pennsylvania auf seiner Homepage.[2] Und tatsächlich fragen weltweit mehr als 1.500 Behörden, 22 der 25 größten Banken, acht der zehn größten Versicherer und mehr als 200 Fluggesellschaften Dienste und Produkte des Unternehmens nach.[3] Mit Büros in 63 Ländern auf allen fünf Kontinenten und 26.000 MitarbeiterInnen, die Kunden in mehr als 100 Ländern betreuen, ist die Unisys Corporation ein echter Multi. Mit einem Umsatz von 5,23 Mrd. US-Dollar im Jahre 2008 gehört der Konzern zwar nicht zu den ganz großen „global players“.[4] Aber Unisys verkauft auch keine Autos oder Rohstoffe, sondern verdient sein Geld mit IT-Dienstleistungen und Großrechnern.

Von der Gewehrfabrik zum globalen IT-Konzern

Die Geschichte des Konzerns lässt sich zurückverfolgen bis zur Firma E. Remington & Sons, die seit 1816 Gewehre und später auch Schreib- sowie andere Büromaschinen herstellte und als Remington Rand in den 1950er Jahren den legendären Mainframe-Computer UNIVAC auf den Markt brachte. 1955 wurde Remington von dem Rüstungsunternehmen Sperry geschluckt, das durch die Herstellung von Navigations- und Waffensystemen für U.S. Navy und Air Force groß geworden war. Die Sperry Rand Corporation, wie der Konzern fortan hieß, entwickelte sich im Geschäftsfeld Computer schnell zu einem bedeutenden Konkurrenten von IBM – insbesondere durch den Verkauf von Großrechnern an das US-Militär, die National Security Agency (NSA), die Atomic Energy Commission, aber auch an das U.S. Census Bureau und die Steuerbehörde, große Industrieunternehmen und Geldinstitute sowie für Buchungssysteme internationaler Fluggesellschaften. Nachdem die Leitung von Sperry bereits 1978 entschieden hatte, sich auf das Computergeschäft zu konzentrieren, wurde das Unternehmen 1986 von der Konkurrenz, dem Rechenmaschinen- und Computerhersteller Burroughs, übernommen.[5] Aus dieser feindlichen Übernahme, eingefädelt von einem ehemaligen US-Finanzminister, dem Burroughs-Vorstandsvorsitzenden W. Michael Blumenthal, ging schließlich „United Information Systems“, die Unisys Corporation, hervor – damals nach IBM das zweitgrößte IT-Unternehmen der Welt und der viertgrößte Rüstungskonzern der USA.

Doch der furiose Start endete schnell in der Krise. Nach vier Jahren warf Blumenthal das Handtuch und verließ die Firma. Angeschlagen vom Ende des Kalten Krieges und den Kürzungen im Rüstungshaushalt sowie dem sich anbahnenden Siegeszug des Personal Computers, den die Firma verschlafen hatte, verzeichnete Unisys zwischen 1989 und 1991 Verluste in Höhe von 2,5 Mrd. US-Dollar und kündigte Ende 1990 an, 5.000 Beschäftigte zu entlassen.[6] Zudem war das Image des Konzerns dramatisch beschädigt: Im Rahmen der „Operation Ill Wind“ hatte das FBI gemeinsam mit dem Naval Investigative Service Ende der 80er Jahre die Verstrickung von Unisys in den vermutlich größten Korruptionsskandal in der Geschichte des Pentagon aufgedeckt. Im „Iron Triangle“, einem Netzwerk von Pentagonbeamten, Sicherheitsconsultants und Rüstungsunternehmen, waren zu überhöhten Preisen Aufträge in Milliardenhöhe vergeben worden. Eine zentrale Rolle spielten dabei ehemalige Top-Militärs, die nach ihrem Ausscheiden aus dem Dienst in Consulting-Firmen („Rent-a-general firms“) unterkamen, um ihre Expertise und Kontakte an die Industrie zu verkaufen. Im September 1991 wurde Unisys für schuldig befunden, hochrangige Militärs bei Marine und Luftwaffe für Aufträge zur Entwicklung des Aegis-Raketenabwehrsystems und andere Projekte mit Beträgen in sechsstelliger Höhe geschmiert sowie – vermittelt durch Consultants – Wahlkampagnen von Mitgliedern des parlamentarischen Rüstungsbeschaffungsausschusses finanziert zu haben. Das Unternehmen wurde zu einer Strafe von 190 Mio. US-Dollar verurteilt.[7] Das Urteil besiegelte den Ausverkauf von Unisys’ Rüstungssparte, der bereits Ende der 80er Jahre begonnen hatte.

Blumenthals Nachfolger, James Unruh, verordnete dem Konzern einen radikalen Arbeitsplatzabbau und eine strategische Neuausrichtung. Bis 1997 wurde die Belegschaft von 47.000 auf 33.000 Beschäftigte reduziert. Die Gründung einer Abteilung für IT-Services im Jahre 1992 signalisierte eine neue Schwerpunktsetzung. Wegen der Konjunkturkrise in den USA bemühte sich Unisys zudem, aggressiv in Überseemärkten in Europa und Asien zu expandieren – und mit High-End-Servern Boden gegenüber dem boomenden PC-Markt wett zu machen. Dabei setzt das Unternehmen nicht einfach auf den Verkauf von Hardware, sondern „integriert“ – im Werbesprech der Firma – „Dienstleistungen und Technologien zu Lösungen“.[8]

Gemeint ist damit: Unisys entwickelt, baut und verwaltet IT-Systeme, Datenzentren und Netzwerke von Behörden und Unternehmen rund um den Globus, berät seine Kunden in Sachen IT-Management, ‑wartung und -sicherheit, stellt mit seinen Servern der ClearPath- und ES-Serien Hardware, programmiert aber auch angepasste Soft- und Middleware. Kurzum: Unisys bietet alles, was man für den Betrieb und die Nutzung großer Datenbanken braucht. Auch wenn der Absatz von Hardware dabei drastisch zurückgegangen ist – von Mitte der 90er Jahre bis heute sank sein Anteil am Umsatz von 41 auf 12 Prozent –, bleiben die Großrechner für das Unternehmen von strategischer Bedeutung. Zum einen sind die Gewinnmargen beim Rechnerverkauf mit bis zu 50 Prozent mehr als doppelt so hoch wie im Servicebereich, zum anderen macht Unisys über ein Drittel seines Umsatzes mit Outsourcing-Lösungen, also damit, dass Kundendaten „in der Wolke“ von Unisys-Rechenzentren verarbeitet werden. Unisys „Lösungen“ suchen also Probleme, die es groß zu rechnen gilt.

Geplatzte Träume und Morgenluft am 11. September 2001

Trotz des radikalen Umbaus, der Unisys von seinen Vorständen in den 1990er Jahren verordnet wurde, blieb der große Erfolg aus. Zwar verfünffachte sich der Börsenkurs des Unternehmens zwischen 1995 und 1999 und stieg bis knapp unter 500 US-Dollar pro Aktie, aber die Umsätze stagnierten und die Bilanz des Jahrzehnts wies einen satten Verlust von 672 Mio. US-Dollar aus. Entsprechend hart war die Landung, als die Blase der „New Economy“ zur Jahrtausendwende platzte. Bis zum Spätsommer 2001 rutschte der Aktienkurs auf 80 US-Dollar ab, gegenüber 2000 sank der Umsatz um 900 Mio. US-Dollar, und nach drei erfolgreichen Jahren schrieb der Konzern schon wieder rote Zahlen.[9]

Vor diesem Hinterrund kamen der 11. September 2001 und die Reaktion der Bush-Regierung für den angeschlagenen Konzern wie gerufen. Unisys reagierte prompt. Im Jahr 2002 ergänzte es sein Management um 300 „Sicherheitsexperten“ und eröffnete rund um den Globus eine Reihe von „Security Centers of Excellence“.[10] Im Juli 2003 folgte die Gründung eines „Security Advisory Board“, das später in „Security Leadership Institute“ umgetauft wurde – „ein Forum von landesweit anerkannten Sicherheitsexperten aus Wirtschaft und Regierung, die weltweit Organisationen mit ihren Ratschlägen zu Sicherheitsfragen und best practices zur Verfügung stehen.“[11] Unter den acht Gründungsmitgliedern sind ehemalige Führungskräfte der NSA, des FBI, der US Air Force, der Royal Canadian Mounted Police und von INTERPOL.[12] Die „Rent-a-General-Strategy“ der 80er Jahre war trotz ihrer schmerzhaften Konsequenzen offensichtlich nicht in Vergessenheit geraten. Auch, dass mit Tom Ridge ein alter Bekannter von Unisys die Führung des im November 2002 geschaffenen Department of Homeland Security (DHS) übernahm, dürfte im Sinne der Konzernleitung gewesen sein. Hatte man doch zu dessen Zeit als Gouverneur von Pennsylvania bereits erfolgreich bei der Entwicklung des E-Government-Portals für den Bundesstaat zusammengearbeitet, ein Heimspiel gewissermaßen.[13]

Die Bemühungen zahlten sich aus: Die Unisys Corporation entwickelte sich zum drittgrößten Auftragnehmer des – „open for business“[14] – Heimatschutzministeriums. Zwischen 2003 und 2010 erhielt der Konzern 2,41 Milliarden US-Dollar aus Töpfen des DHS,[15] u.a. für Großaufträge zur Entwicklung von IT-Infrastrukturen für die neu geschaffene Transportation Security Administration (TSA) und das Heimatschutzministerium höchstselbst, für die „Operation Safe Commerce“ zur Containersicherheit an US-Häfen, die „United States Visitor and Immigrant Status Indicator Technology“ (US-VISIT), das Programm „Registered Travellers“, das Projekt „Free and Secure Trade“ (FAST), die „Western Hemisphere Travel Initiative“ und das „Automated Targeting System“.[16] Im Verbund mit High-Tech-Riesen wie IBM, Boeing, Cisco, SAIC, AT & T und vielen anderen geht es bei diesen Heimatschutzprojekten nicht nur um die Einrichtung von weiträumigen Computernetzwerken und gigantischen Datenbanken, sondern insbesondere auch um Smart Cards, Biometrie und Funkchip-Technologie (RFID) zur Identifikation, zur Risikobewertung und zum Verfolgen von Personen und Gütern.

Und tatsächlich schien Unisys prädestiniert für all diese Aufgaben. Im Bereich Funkchips gehört der Konzern seit 1994 zu den zentralen Partnern der US Army, die mit entsprechendem Equipment an mehr als 1.700 Standorten in 31 Ländern mittlerweile eines der größten RFID-gestützten Logistik-Netzwerke der Welt unterhält.[17] Unisys knüpfte aber nicht nur an seine langjährigen Erfahrungen bei der Hochrüstung und Informatisierung des US-Militärs an; vielmehr konnte der Konzern auch auf zahlreiche internationale Referenzen im Bereich Innere Sicherheit verweisen. So verkaufte man dem irakischen Innenministerium 1988 für 8,7 Mio. US-Dollar Computer für den Betrieb einer „Personendatenbank“;[18] in den 90er Jahren war Unisys u.a. Pionier in Costa Rica,[19] Malaysia[20] und Südafrika,[21] wo es half, mit biometrischen Smart Cards und modernisierten Bevölkerungsregistern den staatlichen Zugriff auf die BürgerInnen zu straffen. Allerdings kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass das Angebot mitunter die Nachfrage diktiert hat. Immerhin erhielt der Konzern vom Heimatschutzministerium 1,8 Mrd. US-Dollar, drei Viertel des Gesamtvolumens aller gewonnenen DHS-Aufträge, ohne dass es bei den Ausschreibungen einen einzigen Mitbewerber gegeben hat. Offensichtlich waren die ausgeschriebenen Projekte Unisys auf den Leib geschneidert.

Stimmung für seine „Lösungen“ macht der Konzern mit seinem Unisys Security Index™, einem seit 2006 zweimal jährlich veröffentlichten Meinungsbarometer, das – auf der angeblich „robusten“ Grundlage der Befragung von 8.500 Personen in neun Ländern – regelmäßig die steigende Furcht vor Identitätsdiebstahl oder eine wachsende Akzeptanz von Biometrie meldet.[22] Entscheidender für das Marketing scheinen aber persönliche Seilschaften zu sein. Als „Thought Leader“ für den Sicherheitsbereich präsentiert das Unternehmen auf seiner Website z.B. Patricia Titus, ehemals Chefin der IT-Sicherheit der TSA, des größten Unisys-Auftraggebers unter den Homeland Security Behörden, und bis heute in verschiedenen technischen Beratungsgremien der US-Regierung tätig. Inzwischen ist sie zuständig für die Informationssicherheit bei der Unisys-Abteilung „Federal Systems“ und als solche Ansprechpartnerin für die US-Regierung. Sie „kapitalisiert“ ihren „reichen Schatz von operativer und Führungserfahrung“, sagt das Unternehmen.[23] Oder Terry Hartmann, verantwortlich für die Unisys Homeland-Security-Strategie mit den Schwerpunkten Biometrie und Identitätsmanagement, der zuvor als IT-Manager für die australische Passbehörde gearbeitet hat und als „Experte“ der International Standards Organisation (ISO) und der internationalen Zivilluftfahrt-Organisation (ICAO) zu den Strippenziehern der weltweiten Standardisierung von biometrischen Reisedokumenten gehört.[24]

Brüssel, Biometrie, Border Control

Zwar ist die US-Bundesregierung der größte Kunde von Unisys – mit einem Auftragsvolumen, das 16 Prozent des Umsatzes ausmacht.[25] Aber auch nach 2001 ist sein Management weiterhin bemüht, in anderen Industrieländern im Geschäft mit der Inneren Sicherheit zu expandieren; gilt doch der öffentliche Sektor gerade in Zeiten der Krise als relativ stabiles Marktsegment. In Australien – der Heimat Terry Hartmanns – erhielt Unisys 2006 den Zuschlag für Arbeiten am „Biometrics for Border Control Program“ des Department of Immigration and Citizenship.[26] In Kanada sicherte sich das Unternehmen Aufträge für biometrische Systeme zur Identifizierung von ArbeiterInnen an Flug- und Seehäfen.[27]

Und auch in der EU rührt Unisys fleißig die Werbetrommel. Während die Regierungen der Mitgliedstaaten in der Vergangenheit die protektionistische Hand über einheimische IT-Anbieter hielten,[28] ist die Brüsseler Bürokratie dem US-Unternehmen offensichtlich wohlgesonnen. Obwohl sich Unisys im Lobbyregister der EU[29] bis dato hinter der American Electronics Association in Europe versteckt, hat seine belgische Filiale beste Verbindungen. Das Brüsseler Unisys-Büro ist nur drei Minuten Fußweg vom Beschaffungsamt der EU-Kommission[30] in der Avenue du Bourget entfernt und steht ihren Generaldirektionen (GD) regelmäßig zu Diensten: Es organisierte z.B. im Auftrag der GD Unternehmen und Industrie Workshops zum Thema elektronisches Beschaffungswesen, E‑Borders und E-Pässe,[31] war von der GD Justiz, Freiheit und Sicherheit zum ersten „EU Forum on the Prevention of Organised Crime“ eingeladen,[32] entwickelte mit der GD Binnenmarkt Perspektiven zur Stärkung der europäischen Rüstungsindustrie[33] und unterstützt im Auftrag der GD Informatik die gesamte Kommission bei der Entwicklung, dem Management und der Wartung ihrer IT-Systeme.[34]

Zentraler Kontakter des Konzerns in Brüssel ist Unisys-Direktor Patrice-Emmanuel Schmitz, ein Anwalt und IT-Architekt, der auch für den Launch des European Biometric Portal im Jahr 2005 zuständig war. Im Auftrag der EU-Kommission soll diese Website zusammen mit ebenfalls von Schmitz geschriebenen Trend-Reports der europäischen Biometrieindustrie als Wissensplattform zur Entwicklung des Marktes dienen. Strategischer Partner des Portals ist das European Biometrics Forum, europäischer Lobbyverband der Biometrieindustrie, zu dessen 150 Mitgliedern auch Unisys selbst zählt.[35] Im April 2006 eröffnete Unisys schließlich in Brüssel das „European Biometrics Centre of Excellence“, einen Technologie-Showroom, in dem sich Kunden aus Privatwirtschaft und öffentlichem Sektor über die Verheißungen „moderner Identitätsmanagement-Lösungen“ informieren können.[36] Verstärkung hatte Schmitz mittlerweile von Roberto Tavano bekommen, einem italienischen Consultant, der als „Vice President European Security Programmes“ für Unisys um die Welt reist, um auf Sicherheitskongressen und -messen die Stichworte zu geben. „In dieser Rolle“, schreibt Tavano „entwickele ich die Geschäftskonzepte für unsere marktreifen Modelle für die Grenzkontrolle, das Identity Management & Credentialing und Physical Security Spaces. Innovative Formate für Registered-Traveller-Programme und beschleunigte Flugpassagier-Abfertigung gehören zu dem Portfolio von Lösungen, die wir für die weltweite Anwendung entwickelt haben.“[37]

Dass es dabei um mehr geht als um die Vermarktung von Technik und IT-Diensten, wird deutlich, wenn Tavano sich stark macht für das Outsourcing der Erfassung und Speicherung biometrischer Daten z.B. beim Visa-Informationssystem,[38] und wenn Schmitz mit seinem Brüsseler Team der Kommission Ideen für Exekutivbefugnisse von EU-Grenzschützern einflüstert.[39] Unisys zielt mit seinen profitorientierten Sicherheitsvisionen auf die Installation neuer, teilprivatisierter Grenz- und anderer Kontrollregime weit jenseits demokratischer Aufsicht.

Eric Töpfer ist Politikwissenschaftler am Zentrum Technik und Gesellschaft der TU Berlin und Redakteur von Bürgerrechte & Polizei/CILIP.
[1] in der Reihenfolge der Projekte: Ratsdok. 8505/09 v. 15.4.2009; Kommission: SEC (2005) 1493 v. 15.11.2005; Ratsdok. 11220/97 v. 17.11.1997; www.unisys.be/eprise
/main/admin/country/doc/nl/CS049_07_Eucaris.pdf; Ratsdok. 6598/06 v. 4.5.2006; Ratsdok. 15041/08 v. 31.10.2008
[2]
www.unisys.com/unisys/about/companyprofile.jsp?id=201
[3] Pasiuk, L. (Hg.): Vault Guide to Top Tech Employers, New York 2005, pp. 231 ff.
[4] Unisys Corporation: Annual Report 2008, www.unisys.com/common/investors/annuals
/2008/2008_AR.pdf
[5] vgl. u.a. www.unisys.com/unisys/about/company/history.jsp?id=209&pid=201;
wiki.cc.gatech.edu/folklore/index.php/Main_Page
[6] Time v. 5.11.1990; Time v. 28.12.1992
[7] Time v. 4.7.1988; Salinger, L.M. (ed.): Encyclopedia of White-Collar & Corporate Crime (Vol. 2), Thousand Oaks 2005, p. 832 f.
[8] www.unisys.com/unisys/about/ir/detail.jsp?id=10800002&pid=202
[9] www.unisys.com/unisys/about/ir/detail.jsp?id=10800004&pid=202 und Zahlen aus den Unisys Annual Reports 1997 bis 2008: www.unisys.com/unisys/about/ir/detail.jsp?
id=10016400002&p=10800007
[10] Unisys: Annual Report 2002, p. 2, www9.unisys.com/common/investors//annuals/2002
/2002_AR.pdf
[11] Security Leadership Institute: Identity Management Whitepaper, 2005, p. 10, www9.uni
sys.com/public_sector/insights/insights__compendium/Identity_Management_-_A_Busi
ness_Imperative_in_Building_a_Trusted_Enterprise.pdf
[12] http://web.archive.org/web/20040608030255/www.unisys.com/services/security/securi
ty__advisory__board/index.htm
[13] Unisys: Annual Report 2000, p. 20, www9.unisys.com/common/investors//annuals/20
00/2000_AR.pdf
[14] Slogan der Website des Department of Homeland Security, www.dhs.gov/xopnbiz/
[15] Zudem erhielt Unisys im gleichen Zeitraum 1,21 Mrd. US-Dollar vom Pentagon, u.a. für einen Fünf-Jahres-Auftrag über 345 Mio. US-Dollar für die IT der 2002 gegründeten Counterintelligence Field Activity (CIFA), die alle aus militärischer Geheimdienstarbeit gewonnenen Informationen bündeln soll, sowie 210 Mio. US-Dollar vom Justizministerium für E-Justice-Projekte sowie für Aufträge des FBI, der DEA und des U.S. Marshals Service. Eigene Berechnungen auf Grundlage von www.usaspending.gov. Hinzu kommen in diesem Zeitraum ungezählte Aufträge für den „Law Enforcement“-Bereich in verschiedenen US-Bundesstaaten, wie z.B. die Entwicklung eines großräumigen Videoüberwachungssystems für die Stadt Philadelphia.
[16] eine Auswahl von Aufträgen des DHS und seiner nachgeordneten Agenturen bei www9.
unisys.com/public_sector/us__federal/federal__contracts/dhs__eagle/
[17] www.unisys.com/unisys/news/detail.jsp?id=10600006
[18] Wall Street Journal v. 24.3.2003
[19] Unisys: Annual Report 1997, p. 20 f., www9.unisys.com/common/investors//annuals/
1997/1997_AR.pdf
[20] www.unisys.com/unisys/ri/cs/detail.jsp?id=9500017
[21] Unisys: Annual Report 2003, p. 8, www9.unisys.com/common/investors//annuals/2003
/2003_AR.pdf
[22] www.unisys.com/unisys/ri/topic/researchtopicdetail.jsp?id=3700005
[23] http://unisys.com/unisys/ri/tl/detail.jsp?id=10019800008
[24] http://unisys.com/unisys/ri/tl/detail.jsp?id=16500012; www.tourhosts.com.au/archive
/apec2007/speakers.asp; www.policylaundering.org/keyplayers/ICAO-activities.html
[25] www.unisys.com/unisys/about/ir/detail.jsp?id=10016500032&p=10800002
[26] www.finanzen.net/nachricht/Unisys-Extends-Relationship-with-Australian-Department-of-Immigration-and-Citizenship-for-Outsourced-Desktop-Services-and-Biometric-and-Id
entity-Management-Solutions-683044
[27] www.finanzen.net/nachricht/aktien/Unisys-Selected-by-Canadian-Air-Transport-Securit
y-Authority-for-Canada-Biometric-ID-Management-Contract-324486
[28] Z.B. unterbot Unisys 1989 in Hessen mit einem Angebot zur Entwicklung der Polizei-EDV den Konkurrenten Siemens, der trotzdem den Zuschlag erhielt, Der Spiegel v. 25.9.1989
[29] http://webgate.ec.europa.eu/transparency/regrin/welcome.do
[30] Das Amt für Gebäude, Anlagen und Logistik (OIB), zuständig für die „verwaltungstechnische Durchführung des Erwerbs, der Miete und der Wartung der beweglichen und unbeweglichen Güter der Kommission“.
[31] http://ec.europa.eu/idabc/servlets/Doc?id=995
[32] http://ec.europa.eu/justice_home/news/information_dossiers/forum_crimen/workshop
/en/particip3_en.htm
[33] www.edis.sk/ekes/en_3_final_report.pdf
[34] www.businesswire.com v. 3.8.2009
[35] www.eubiometricsforum.com
[36] www.allbusiness.com/crime-law/law-biometrics-fingerprinting/10562962-1.html
[37] www.naymz.com/roberto_tavano_2284472
[38] heise.de v. 10.6.2006
[39] KOM(2006) 401 endgültig v. 19.7.2006, S. 3

Bibliographische Angaben: Töpfer, Eric: Unisys Corp. – Eine Spinne im Netz informatisierter „Sicherheit“, in: Bürgerrechte & Polizei/CILIP 94 (3/2009), S. 49-57