Humanoide Gesichtserkennung

Immer öfter setzen Polizeien sogenannte Super-Recogniser ein. Dabei handelt es sich um Personen, die sich besonders gut Gesichter merken und diese in Menschenmengen wiedererkennen können. Schätzungsweise ein bis zwei Prozent aller Menschen sollen über die Fähigkeit verfügen. Entdeckt hat dies der britische Wissenschaftler Josh Davis bei einer Untersuchung innerhalb der Metropolitan Police. Dort fiel auf, dass immer die gleichen Beamt*innen besonders viele Verdächtige auf Videomaterial identifizieren konnten.

Anschließend half der Forscher der Polizei in München beim Aufbau einer solchen Einheit, 2018 wurden hierzu nach einem mehrstufigen Auswahlverfahren 13 Polizistinnen und 14 Polizisten ausgewählt.[1] Einer ihrer ersten Einsätze erfolgte im Zugangskontrollbereich und am „Videoarbeitsplatz“ des im gleichen Jahr stattfindenden Oktoberfestes, der Abgleich erfolgte unter anderem mit Bildern von Personen mit Hausverbot.[2] Angeblich sollen sie inzwischen in Hunderten Fällen bei der Aufklärung geholfen haben. Auch Baden-Württemberg hat seit 2018 mehrere Super-Recogniser in den eigenen Reihen identifiziert, im Juni 2020 sei etwa „ein erheblicher Teil“ der in Ermittlungen zur „Stuttgarter Krawall­nacht“ identifizierten Tatverdächtigen auf deren Fähigkeiten zurückgegangen.[3] Mittlerweile durchlaufen alle angehenden Polizist*innen an der Hochschule für Polizei Baden-Württemberg ein entsprechendes Identifikationsverfahren.

Einsätze der Super-Recogniser erfolgen aber auch im Rahmen von Versammlungen. So haben sechs bayerische Beamt*innen nach dem G20-Gipfel die in Hamburg eingerichtete Sonderkommission „Schwarzer Block“ unterstützt. Dabei haben die Beamt*innen Bildmaterial nach mutmaßlichen Straftäter*innen durchsucht. Auch in London wurden die Super-Recogniser zuerst 2011 beim G20-Gipfel eingesetzt. Einer von ihnen soll damals aus Videoaufnahmen 180 Verdächtige identifiziert haben, eine ebenfalls eingesetzte Software mit Gesichtserkennung jedoch nur eine Person.

Die humanoide Gesichtserkennung soll auch möglich sein, wenn es sich bei der Vorlage des Bildes gesuchter Personen um ein altes Fahndungsfoto handelt oder diese ihr Aussehen mit Mütze, Bart, Sonnenbrille oder Bemalung verändert hat. Dies will die bayerische Polizei bei der Handhabung von Protesten gegen den Weiterbau der A49 im Dannenröder Forst erfolgreich demonstriert haben. Dort waren fünf ihrer Super-Recogniser auf Anforderung der hessischen Polizei eingesetzt.[4] Sie haben 45 Frankfurter Beamt*innen geschult, die nun ebenfalls zur Superwiedererkennung eingesetzt werden sollen.

[1]      „Bei der Münchner Polizei arbeiten jetzt ‚Super-Recogniser‘“, Süddeutsche Zeitung v. 21.6.2018
[2]     Pressemitteilung Bayerisches Staatsministerium des Innern v. 28.8.2018
[3]     Pressemitteilung Innenministerium Baden-Württemberg v. 11.3.2021
[4]     Pressemitteilung Polizei Frankfurt v. 11.2.2021

Beitragsbild: Innenministerium Baden-Württemberg.

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